Geschichte der Pfarrgemeinde  A.B. Mödling

150 Jahre – Eine Kurzreise

(erschienen in der en SONDERNUMMER 2025)

Ein kurzer Abriss auf Grundlage der Chronik „Evangelische Gemeinde Mödling“ von Hans Kretz aus dem Jahr 2000 sowie
"Das evangelische Mödling, Wurzeln und Visionen." Festschrift herausgegeben von der Evangelischen Pfarrgemeinde Mödling zum 125-jährigen Jubiläum 1875 – 2000.

 

Im Jahr 2025 haben wir das 150-Jahr-Jubiläum der Evangelischen Pfarrgemeinde Mödling gefeiert. Die Spuren evangelischen Lebens reichen jedoch bis ins 16. Jahrhundert zurück, denn schon wenige Jahre nach Luthers Thesenanschlag gelangte die neue Lehre nach Österreich und bald auch nach Mödling. Die Zahl evangelisch Getaufter stieg rasch an, um 1600 war Mödling weitestgehend evangelisch. Mit der Gegenreformation ging die Zahl der Lutheraner schnell wieder zurück, bis es nur mehr eine Handvoll von ihnen gab...

 

Der Neubeginn des evangelischen Glaubens in Mödling lässt sich um das Jahr 1830 festmachen, als der deutsche Wagner Philipp Müller nach Mödling zog. In seinem Haus fanden Hausgottesdienste, auf der Meiereiwiese Waldandachten statt. Die Region Mödling verzeichnete eine stetig wachsende Anzahl von Evangelischen und so erhob sich bald der Ruf nach einer selbstständigen Pfarrgemeinde in Mödling. Am 28. Juli 1875 war es soweit: Der Oberkirchenrat in Wien gab dem Antrag für eine selbstständige Evangelische Pfarrgemeinde statt; eine evangelische Kirche samt Pfarrhaus wurde in nur eineinhalb Jahren Bauzeit errichtet. Am 28. November 1875 konnte Kirchweihe gefeiert, am gleichen
Tag der junge Pfarrer Johann Waldemar Heck in sein Amt eingeführt werden. Die Folgejahre waren geprägt vom verzweifelten Versuch, die Schulden, die durch den Kirchenbau entstanden waren, abzubauen, aber auch vom Willen, eine lebendige Pfarrgemeinde aufzubauen. So wurde 1876 der „Evangelische Frauen - verein in Mödling“ gegründet, der mit Hilfe eines privaten Sponsors auf dem neu erworbenen Grund
stück des heutigen Gemeindehauses (An der Goldenen Stiege 2) 1887 ein Haus erbaute, in dem Kinder betreut und Mädchen handwerklich geschult wurden. Bis zum Jahr 1936 wirkte der Frauenverein in diesem Gebäude, danach wurde das Haus der evangelischen Pfarrgemeinde zugesprochen. Ebenfalls im Jahr 1876 konstituierte sich der Mödlinger Gustav-Adolf-Ortsverein, dessen Ziel es war, beim Bau von evangeli
schen Kirchen, Pfarrhäusern und Schulen zu helfen.

 

Schon zwei Jahre davor wählte die Pfarrgemeinde einen neuen Pfarrer. Karl Saueracker leitete seine Pfarrgemeinde 23 Jahre lang (1885 bis 1908) mit viel Engagement. Mit ihm gab es erstmals eine Gemeindeordnung, die u.a. den Kirchenbeitrag sowie die Wahl der Gemeindevertretung und des Presbyteriums regelte.

 

Der Erste Weltkrieg hinterließ bei der evangelischen Kirche tiefe Spuren: Es wurden zwar Kriegsandachten gefeiert, die beiden größeren Kirchenglocken sowie Orgelpfeifen mussten jedoch für Rüstungszwecke abgeliefert werden; zahlreiche Tote waren zu beklagen. Nichtsdestotrotz erschien in den Kriegsjahren zum ersten Mal ein evangelisches Mitteilungsblatt.

 

1932 konnte die evangelische Pfarrgemeinde ihren Plan vom Erwerb des Grundstücks neben der Kirche verwirklichen. Der Kirchbauverein (man träumte von einer größeren Kirche an einem anderen Standort) veräußerte ein Grundstück und konnte so die Scheffergasse 10 käuflich erwerben. Der Wunsch vom Zubau an die Kirche blieb für lange Zeit unerfüllt und ließ sich erst viel später mit dem Bau des Lichthauses verwirklichen.

 

1934 wurde in Österreich eine ständisch- autoritäre Verfassung für die Republik Österreich eingeführt. Für die evangelische Pfarrgemeinde
hatte dies überraschende Auswirkungen: Bis zum Jahresende registrierte man 456 Kircheneintritte – der katholisch dominierte Ständestaat
veranlasste viele liberal Denkende, sich der evangelischen Kirche zuzuwenden.

 

Das Jahr 1938, der Anschluss an Hitler-Deutschland und schlussendlich der Zweite Weltkrieg brachten auch der Mödlinger evangelischen Pfarrgemeinde große Veränderungen und großes Leid. Vereine wurden aufgelöst, der Kindergarten an der Goldenen Stiege wurde unter Druck verkauft, Austritte häuften sich, das Abhalten von Gottesdiensten wurde eingeschränkt und schließlich gab es viele Tote und Vermisste zu beklagen. Umso erstaunlicher also, dass 1940 die Generalsanierung der Kirche beschlossen und auch durchgeführt wurde.

 

1946 begann in der evangelischen Pfarre Mödling eine neue Ära – Arthur Berg wurde zuerst zweiter, 1950 schließlich erster Pfarrer – und er
blieb dies bis 1971. Die finanzielle Not der Nachkriegszeit war auch der evangelischen Pfarrgemeinde ein steter Begleiter, nichtsdestotrotz
wurde im Jahr 1959 das Pfarrhaus ausgebaut. Im Jahr davor kehrte das Kindergartengebäude an der Goldenen Stiege wieder in den Besitz der evangelischen Kirche zurück und hieß nun Evangelisches Jugendheim. Später wurde es zum Evangelischen Gemeindehaus und hält seine
Tore nicht nur für die Jugendarbeit, sondern auch für unterschiedlichste Veranstaltungen offen.

 

1971 trat Arthur Berg seine Pension an – zu seinem Nachfolger wurde Klaus Heine gewählt. Er initiierte unter anderem die „Gesprächsrunde um die Bibel“ sowie Gemeindefeste, führte Jugend- sowie Familiengottesdienste ein und setzte sich mit viel Engagement für die Ökumene ein. Anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums der Kirchweihe durfte sich die Pfarrgemeinde über eine neue Orgel der Guntramsdorfer Firma Walcker freuen. Außerdem wurde die Waisenhauskirche für die Abhaltung von Gottesdiensten an die evangelische Pfarrgemeinde vermietet. 1984 gab es in Mödling eine Premiere. Mit Barbara Saile-Leeb trat am 1. Mai die erste weibliche Vikarin ihren Dienst an! Nach weiteren Kirchenrenovierungen, dem Geschenk einer dritten Glocke sowie unzähligen Aktivitäten gab es in der Mödlinger Gemeinde 1999 wieder einen 2. Pfarrer – Markus Lintner vervollständigte das geistliche Team! 

 

Heidi Weyss (Gemeindevertreterin)

Die Kirchenglocken

Seit dem Jahr 1875 läuteten 3 Bronze Glocken in Cis, F und Gis. Dann erlebten auch die Glocken unserer Kirche bewegte Zeiten. Denn bereits im Jahr 1917 mussten die beiden größeren für Kriegszwecke abgenommen werden, und im 2. Weltkrieg dann „nur“ die größere. Den spendenfreudigen Mödlinger Gemeindegliedern ist aber auch hier zu verdanken, dass das Läuten nie ganz verstummt ist. Seit 1998 läuten unsere 3 Bronzeglocken (wobei die mittlere Glocke noch Bronze aus der allerersten kleinen Glocke von 1875 enthält) im As-Dur-Dreiklang und besitzen ein elektrisches Läutwerk.

Quelle: Chronik "Evangelische Gemeinde Mödling"

Video vom Glockengeläute Button Text

Der Protestantenstein

… befindet sich rechts neben der Pfarrkirche in der Scheffergasse.

Die Steintafel stammt von einer Wegkapelle aus dem Jahr 1581 zwischen Mödling und Gumpoldskirchen. Diese wurde vom Mödlinger Ratsherren und Marktrichter Wolfgang Reitperger und dessen Frau Zezilia errichtet. Im Laufe des 19. Jahrhunderts verfiel die Kapelle und nur die Steintafel blieb erhalten. Die Aufschrift stammt aus der Zeit der beginnenden Reformation:

„WER GERN HERT GOTES
WORTT DER IST VON
GUETTER ART“

 

Der Protestantenstein

… befindet sich rechts neben der Pfarrkirche in der Scheffergasse.

Die Steintafel stammt von einer Wegkapelle aus dem Jahr 1581 zwischen Mödling und Gumpoldskirchen. Diese wurde vom Mödlinger Ratsherren und Marktrichter Wolfgang Reitperger und dessen Frau Zezilia errichtet. Im Laufe des 19. Jahrhunderts verfiel die Kapelle und nur die Steintafel blieb erhalten. Die Aufschrift stammt aus der Zeit der beginnenden Reformation:

„WER GERN HERT GOTES
WORTT DER IST VON
GUETTER ART“

Weitere interessante Informationen finden Sie in den Büchern "Das evangelische Mödling" (Dieses Buch liegt in der Pfarrkanzlei zur Ansicht auf.) und "Chronik Evangelische Gemeinde Mödling" (Dieses Buch kann über die Pfarrkanzlei bezogen werden) .