Predigt zum 2. Sonntag nach Trinitatis am 14.06.2026 

gehalten von Markus Lintner

 

Predigttext: Mt.11,25-30

 

 

8 Uhr: Dienstgespräch mit Anne. 10 Uhr: Besprechung mit Rosalie. Dazwischen: Mails checken und beantworten. Danach: Gottesdienst vorbereiten, Gebete formulieren, Ideen für die Predigt sammeln. Vorbereitung auf den Termin um 12:40: Besprechung in der Volksschule Brunn zum Thema „interreligiöse Feiern“.

Danach schnell heim, Mittagessen. Heute ist keine Zeit zum Kochen, deshalb kocht heute eine Fastfood-Kette für meinen Sohn und mich. 16 Uhr: Treffen mit den Religionslehrerinnen, bis 18 Uhr. Danach schnell ins Auto gesprungen, weil um 19 Uhr das Chorkonzert meiner Frau in Hennersdorf beginnt. Nach dem Konzert noch ein Gläschen vor Ort, dann nach Hause und ins Bett. Endlich Ruhe.

Ruhe? Aber was. Jetzt rennen die Gedanken. Ist alles für den nächsten Tag vorbereitet? Gleich in der Früh geht es los mit einem Taufgespräch, bevor die Schule ruft. Und ist alles für die Sondersitzung der Gemeindevertretung auf Schiene?

Liebe Schwestern und Brüder, ich will euch jetzt nicht mit meinem Tagesablauf beeindrucken oder gar Mitleid heischen. Job-Wahl ist ja bekanntlich auch Intelligenzfrage. Es soll einfach ein Beispiel sein, wie ich, wie wir alle immer wieder im Hamsterrad des Alltags gefangen sind. Wie wir uns abmühen und belastet, und manchmal auch überlastet sind.

Warum? Gute Frage. Es ist mein Anspruch an mich und meine Arbeit. Meine Sehnsucht nach Anerkennung und Erfolg – was auch immer das ist. Nach einem Stil, der zu mir passt und mit dem ich anderen begegnen möchte. Nach einem Lebensentwurf, mit dem ich mich wohl fühle. Und deshalb passiert es, dass ich manchmal seufze, stöhne, mich abschleppe mit all den Belastungen – und das alles im Streben um ein erfülltes Leben.

Und ja: immer wieder leide ich auch unter den Idealen und Ansprüchen, die ich an mich selbst stelle. Ich will stark sein, ein Macher, funktionieren. Ja niemanden zur Last fallen. Das Leben bietet so viel Möglichkeiten! Da muss ich doch so viel ich kann ausprobieren. Nichts auslassen, nichts verpassen, dabei sein. Chancen ergreifen und den richtigen Moment nicht verpassen. Denn wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.

Und so passiert es eben, dass ich mich manchmal bis zur Erschöpfung abmühe und davon bis an die Grenze belastet bin. Und die Sehnsucht nach Entlastung, nach Entschleunigung, nach Ruhe wird immer größer.

 

Wie dankbar bin ich da für die Worte Jesu, die Matthäus im 11 Kapitel (Basisbibel) für uns aufgeschrieben hat:

Danach rief Jesus aus: »Ich preise dich, Vater, du Herr über den Himmel und die Erde!

Denn du hast das alles vor den Weisen und Klugen verborgen. Aber den einfachen Leuten hast du es offenbart.

Ja, Vater, so hast du es gewollt! 

Alles hat mir mein Vater übergeben. Niemand kennt den Sohn, nur der Vater. Und niemand kennt den Vater, nur der Sohn – und die Menschen, denen der Sohn den Vater zeigen will.«

»Kommt zu mir, ihr alle, die ihr euch abmüht und belastet seid! Ich will euch Ruhe schenken.

Nehmt das Joch auf euch, das ich euch gebe. Lernt von mir: Ich meine es gut mit euch und sehe auf niemanden herab.

Dann werden eure Seelen Ruhe finden.

Denn mein Joch ist leicht. Und was ich euch zu tragen gebe, ist keine Last.«

 

„Kommt zu mir, ihr alle, die ihr euch abmüht und belastet seid! Ich will euch Ruhe schenken.“ Liebe Schwestern und Brüder, was für wunderbare Worte. Ich liebe sie deshalb, weil sie eine so große Weite in sich tragen. „Komm zu mir!“

Ich sehe geöffnete Arme, in die ich mich einfach fallen lassen kann, wie damals als Kind in die Arme meiner Eltern. Starke Arme, wenn ich Schutz gebraucht habe. Zärtliche Arme, wenn ich kuscheln wollte. Tröstende Arme, wenn ich traurig war. Volles Vertrauen eben.

Heute breitet Jesus diese Arme für mich aus. Und für dich. Für alle Menschen. Weil er weiß: jede*r ist manchmal mühselig und beladen, abgearbeitet und überlastet. Es gibt kein Leben ohne Mühe, ohne Sorge, ohne Erschöpfung. Das gehört einfach dazu.

Die Arme Jesu sind ausgebreitet, mitten im Alltag, mit all seinen Fragen, Anfechtungen und Nöten. Er steht da, mit offenen Armen und sagt: „Komm her zu mir. Bei mir findest du Ruhe.“

Das heißt jetzt nicht, dass Jesus mir alle Lasten und Sorgen abnimmt. Ganz im Gegenteil, es scheint, als würde da zuerst noch was dazukommen. Nehmt das Joch auf euch, das ich euch gebe. Und lernt von mir!

Meine erste Assoziation zu diesem Vers: Na Bumm. Auch da: nix mit Ruhe und Entspannung. Da kommt eine Belastung dazu. Ich soll ja anscheinend „unterjocht“ werden.

Was auf den ersten Blick erschreckend wirkt, ist eigentlich auch ein Hilfsangebot. Denn das Joch war und ist ein entlastendes Hilfsmittel. Etwas, das hilft, die Lasten richtig zu verteilen und an die kräftigsten Teile des Körpers zu platzieren. Ein Joch ist also etwas, das mir zwar die Last nicht abnimmt, aber es mir ermöglicht, diese Last überhaupt zu tragen – und zwar aufrecht.

Lasten richtig zu tragen, dass will gelernt sein. Ich denke noch immer beeindruckt an die vielen Frauen in Ghana zurück, die oft wirklich schwere Lasten auf ihren Köpfen getragen und balanciert haben. Ich hab das auch mal versucht – und bin legendär gescheitert. Jesus lädt mich deshalb ein und sagt: „Komm zu mir in die Lehre.“

Und ja, ich glaube, von Jesus kann ich lernen, mit einer Last, einer Belastung umzugehen. Ich denke daran, wie er sein Kreuz trägt, im Vertrauen, dass Gott da ist, mit- und hindurchträgt. Ich denke daran, wie vielen Menschen Jesus ihre Belastungen erleichtert hat: Frauen, Kinder, Kranke und Ausgegrenzte. Für ihn gab es keine Menschen 2. Klasse. „Ich meine es gut mit euch und sehe auf niemanden herab.“, richtet er mir aus.

Alles andere findet sich dann von selbst. „Als erstes“, sagt er, „werden eure Seelen Ruhe finden.“ Wenn ich weiß, dass da einer ist, der mich kennt, wie ich bin und bei dem ich sein darf, wie ich bin, ja, für den ich gut bin, so wie ich bin – dann kann ich aufatmen. Dann kann ich glauben, dass ich und mein Leben von ihm getragen sind – ganz egal, wie mühsam und belastend es vielleicht gerade ist.

Das wischt die Erschöpfung nicht weg. Und redet die Belastung nicht klein. Aber es erinnert mich: ich bin auch in meiner Erschöpfung nicht allein. Sondern Jesus selbst steht an meiner Seite. Und er schenkt mir Ruhe. Geborgenheit. Sicherheit.

Ihr Lieben, vielleicht seid ihr genau deshalb auch heute in die Kirche gekommen. In der Hoffnung, dass es euch guttut, dass ihr zur Ruhe kommt. Dass sich euch ein anderer, größerer Raum öffnet und ihr Worte hört, die euch eine andere Dimension erschließen: die euch stärken, trösten, ermutigen. Ihr habt euch auf die Lieder, die Musik, die Gebete, den Segen gefreut.

„Kommt alle her zu mir!“ Jesus lädt uns alle ein. Und ich freue mich, dass ihr seine Einladung angenommen habt, mit allem, was euch gerade bewegt.

Genau darum geht es: mit allem, was mir Gedanken macht, was mich belastet und beunruhigt, wo ich mir nicht sicher bin, was das Richtige ist oder mit allem, was mir über den Kopf wächst – mit all dem zu Gott zu kommen und loszulassen. Mich fallen zu lassen. In seine Arme.

Wie und wo ich das mache, ist ganz unterschiedlich: das kann ein Spaziergang sein, ein stilles Gebet, ein Lied, ein Bibelvers oder eben auch ein Gottesdienst. Alles, was mich spüren lässt, dass mein Leben nicht nur aus Mühe und Belastung besteht. Und dass es da einen gibt, der mit offenen Armen auf mich wartet, um mir Ruhe zu schenken. Zu jeder Zeit und an jedem Ort.